Gewerbeschein beantragen – so meldest du dein Gewerbe an!

September 6, 2022
Lesezeit: 5 Minuten

Inhaltsverzeichnis

Du hast eine zündende Geschäftsidee entwickelt und möchtest als Gewerbetreibender mit deinem Betrieb so richtig durchstarten? Nicht vergessen solltest du dabei, dein Gewerbe auch rechtmäßig anzumelden. Denn nur mit der Beantragung des Gewerbescheins kannst du offiziell Geschäfte machen. Einen Gewerbeschein zu beantragen ist eigentlich nicht schwer, dennoch gibt es einige Fragen, die während des Prozesses auftreten können. Doch wo meldest du dein Gewerbe eigentlich an und welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein? Genau das erfährst du hier im Ratgeber.

Die wichtigsten Details zur Gewerbeanmeldung

  • Der Gewerbeschein wird bei der zuständigen Gewerbemeldestelle deiner Stadt oder Region beantragt.
  • Vor der Anmeldung solltest du alle notwendigen Formulare beisammen haben.
  • Nicht bei jeder Behörde ist eine Onlineanmeldung möglich.
  • Freiberufler und Hobbyisten müssen kein Gewerbe anmelden.
  • Nach der erfolgreichen Anmeldung bekommst du Post vom Finanzamt und der IHK.
  • Sogar Minderjährige können unter bestimmten Umständen ein Gewerbe anmelden.
  • Zur Anmeldung benötigst du einen gültigen Personalausweis oder Reisepass.
  • Ist dein Unternehmen im Handelsregister eingetragen, benötigt dein Gewerbeamt einen entsprechenden Auszug.
  • Hast du keine deutsche Staatsbürgerschaft benötigst du eine Aufenthaltsgenehmigung.

Was genau ist ein Gewerbeschein und wann ist er wichtig?

Der Gewerbeschein, auch Gewerbeberechtigung genannt, ist eine Grundvoraussetzung, damit du dein Gewerbe offiziell betreiben kannst. Erst wenn du den Gewerbeschein erhalten hast, kannst du als selbstständige Person offiziell mit deiner Arbeit beginnen. Betreibst du bereits ohne Gewerbeanmeldung Geschäfte, begehst du eine Straftat und musst mit einem Bußgeld und möglichen hohen Nachzahlungen rechnen. Daher sollte dich dein erster Gang nach der Gründung deines Unternehmens zur nächsten Gewerbemeldestelle führen. Je nach Stadt und Gemeinde ist dies das Gewerbeamt, Ordnungsamt, Rathaus oder Bürgerbüro.   

Tipp:

Um herauszufinden, wo sich deine zuständige Gewerbemeldestelle befindet, suchst du online am besten nach den Begriffen „Gewerbe anmelden“ in Kombination mit deinem Wohnort.

Diese Formulare benötigst du zur Beantragung des Gewerbescheins

In einigen Städten und Gemeinden findest du ein entsprechendes Gewerbeanmeldeformular online. Du sparst viel Zeit vor Ort ein, wenn du es vor deiner Gewerbeanmeldung ausfüllst und zum Termin mitbringst. Wichtig ist auch, dass du einen gültigen Personalausweis oder Reisepass bei der Gewerbeanzeige dabeihast. Je nach Situation und Art deiner Unternehmung, sind weitere Unterlagen notwendig, zum Beispiel:

  • Bescheinigungen, Zertifikate oder Zeugnisse, wenn vorhanden
  • Eine Aufenthaltsgenehmigung, wenn du aus dem Ausland kommst
  • Eine Bescheinigung über die Eintragung ins Handelsregister, falls dieser vorliegt
  • Spezielle Nachweise, Angaben und Genehmigungen, beispielsweise ein Führungszeugnis
  • Eine Zustimmung der Gesellschafter, falls du dein Unternehmen nicht allen gründest
  • Das Beiblatt „Vertretungsberechtigte“, falls du minderjährig bist
  • Gesundheitszeugnis oder polizeiliches Führungszeugnis, falls nötig

Weitere Voraussetzungen für die Gewerbeanmeldung

Bevor du einen Termin beim zuständigen Amt vereinbarst und alle Unterlagen zusammensuchst, solltest du erst einmal überprüfen, ob du überhaupt dazu verpflichtet bist, ein Gewerbe anzumelden. Das erfährst du beispielsweise bei der Industrie- und Handelskammer (IHK). Dort wirst du übrigens automatisch Mitglied, sobald du ein Gewerbe angemeldet hast. 

Möchtest du beispielsweise eine Gaststätte oder ein Taxiunternehmen eröffnen oder dich als Makler, Baubetreuer oder Handwerker selbstständig machen, wirst du um einen Gewerbeschein nicht herumkommen. Je nach Art des Gewerbes sind weitere Bedingungen an den Gewerbeschein geknüpft. Als Gastronom musst du beispielsweise vor Eröffnung deines Lokals eine Prüfung ablegen, als Handwerker musst du dich in die Handwerksrolle (Handwerkskarte) eintragen lassen. Dafür musst du in der Regel deinen Meisterbrief vorlegen. Achte zudem auf die folgenden Voraussetzungen:

  • Du musst mindestens 18 Jahre alt sein, es sei denn deine gesetzlichen Vertreter (in den meisten Fällen die Eltern) und das Vormundschaftsgericht stellen dir eine Erlaubnis aus.
  • Du bist frei von allgemeinen Finanzvergehen.
  • Du hast die Absicht, Gewinn zu erzielen und betreibst deine Tätigkeit nicht nur als Hobby.
  • Du bist im Besitz eines lupenreinen Führungszeugnisses und eines Zentralregisterauszugs.
  • Du musst in der Regel persönlich zur Anmeldung erscheinen, in einigen Fällen kannst du aber auch eine Vollmacht ausstellen.

In diesen Fällen lässt sich dein Gewerbeschein online beantragen

Eine komplette Online-Anmeldung ist in der Regel nicht möglich, da von den meisten Behörden eine unterschriebene Anmeldung verlangt wird. Bei vielen Anlaufstellen kannst du den Gewerbeschein aber zumindest online beantragen. Es kann sich also lohnen, auf der Webseite deiner zuständigen Anmeldestelle vorbeizuschauen. Eventuell musst du dich für den Antrag zunächst registrieren. 

Den Gewerbeschein online zu beantragen, bietet dir einige Vorteile. So sparst du dir Zeiten und Wege zum Gewerbeamt und kannst außerdem bargeldlos bezahlen. Hast du bei der Beantragung allerdings Fragen, können diese nicht sofort beantwortet werden. Zudem musst du das Antragsformular ausdrucken und unterschrieben per Post an die zuständige Stelle senden. Vergiss dabei nicht, die notwendigen Unterlagen beizulegen. 

Müssen auch Freiberufler für ihren Antrag zum Gewerbeamt?

Übst du als selbstständige Person einen freien Beruf aus, wird dieser nicht als Gewerbe eingestuft. Dementsprechend musst du auch keinen Gewerbeschein beantragen. Auch wenn der Gang zum Gewerbeamt wegfällt, hast du als Freiberufler am Anfang genug zu tun. Beispielsweise musst du eine Steuernummer beim Finanzamt beantragen. Die folgenden Berufe gelten an dieser Stelle als frei:

  • Anwälte
  • Apotheker
  • Architekten
  • Ärzte
  • Berater
  • Dolmetscher
  • Dozenten
  • Förster und Landwirte
  • Heilpraktiker
  • Ingenieure
  • Journalisten
  • Künstler
  • Krankengymnasten
  • Notare
  • Schriftsteller
  • Wirtschaftsprüfer

Eine Ausnahme besteht übrigens dann, wenn du mit einem dieser Berufe eine GmbH gründen möchtest. Da es sich bei dieser Rechtsformeintrag um eine Kapitalgesellschaft handelt, musst du ein Gewerbe anmelden und bist auch gewerbesteuerpflichtig. Lediglich als Einzelunternehmer hast du den Freiberuflerstatus und benötigst keinen Gewerbeschein.

Tipp:

Wenn du dir nicht sicher bist, ob du mit deiner Tätigkeit als Freiberufler giltst, hilft möglicherweise ein Blick in § 18 EStG (Einkommensteuergesetz).

Diese Kosten entstehen bei der Beantragung des Gewerbescheins

Die Gebühren des Gewerbescheins entstehen für den Anmeldevorgang bei der jeweiligen Behörde. Je nach Gemeinde, Region und Regelung liegt er zwischen 10 und 65 Euro. Auf dem Land sind die Kosten häufiger etwas geringer als in stark frequentierten Regionen. 

Darüber hinaus können – je nach Art der Selbstständigkeit – weitere Faktoren relevant sein. Beispielsweise, wenn ein polizeiliches Führungszeugnis oder die Vorlage einer Handwerks- oder Gewerbekarte verlangt wird. Diese Dokumente verursachen zusätzliche Kosten, die du bei der Gewerbeanmeldung mit einkalkulieren solltest. 

Die weiteren Schritte nach der Gewerbeanmeldung

Nachdem du deinen Gewerbeschein erhalten hast, ist es mit dem Papierkram noch lange nicht vorbei. Deine Gewerbemeldestelle leitet die Informationen an die IHK und das Finanzamt weiter. Bei der IHK wirst du automatisch Pflichtmitglied und bekommst einen Fragebogen zugeschickt. Anhand der Antworten bemisst sich dein Mitgliedsbeitrag. 

Das Finanzamt wird dir außerdem einen steuerlichen Erfassungsbogen zukommen lassen. Dort trägst du beispielsweise die Inhalte deiner Tätigkeit, deinen voraussichtlichen Umsatz und Gewinn pro Jahr sowie die Information ein, ob du Kleinunternehmer bist oder nicht. Den Erfassungsbogen solltest du besonders akribisch ausfüllen. Denn bereits der kleinste Fehler könnte teuer für dich werden. Um alles richtig auszufüllen, kann dir ein Steuerberater helfen. Das Formular ist für ihn nicht viel Arbeit und kann dir unter Umständen sehr hohe Vorauszahlungen ersparen.

Jetzt dein Gewerbe anmelden und geschäftlich tätig werden!

Die Anmeldung deines Gewerbes ist nur einer von vielen Schritten, die du absolvieren musst, um deine Karriere als Gründer zu beginnen. Für den Fall allerdings, dass du als Freiberufler durchstarten möchtest, ist der Gewerbeschein nicht notwendig. Einige gehen davon aus, dass man auch als Kleinunternehmer um einen Gewerbeschein herumkommt – das ist jedoch nicht der Fall. Doch was musst du eigentlich bei der Gründung eines Kleingewerbes beachten? Das haben wir dir in diesem Artikel näher erklärt.  

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